Ich habe festgestellt, dass sich mit zunehmendem Alter die Gesprächsthemen deutlich verändern. Drehen sich die Gedanken als Jugendlicher hauptsächlich um das andere Geschlecht, Party, Alkohol, aktuelle Musik und die neuesten technischen Highlights, werden zwischen 20 und 40 Jahren zunehmend Familie und Arbeit mit der damit verbundenen gesellschaftlichen Stellung wichtiger. Ab 40 geht es dann langsam los und es werden auf Partys die ersten Wehwehchen zum Gesprächsthema und mit weiter steigendem Alter scheint es bald nichts anderes mehr zu geben. Da wird sich mit den bestehenden Erkrankungen übertroffen und die Einnahme von Medikamenten gleicht einem Ritual.

Ich gestehe, dass ich mich auch schon dabei ertappte, wie ich von meinen Krankheiten erzählt habe. Wobei die sich weiss Gott nun wirklich im Rahmen halten. Eigentlich war es hauptsächlich mein Bandscheibenvorfall mit Beinlähmung, der Erwähnung fand (ein banaler Schnupfen ist doch auch viel zu langweilig). Und das eigentlich nur, um einen Anteil zum Party-Kulturprogramm beizutragen. Dabei habe ich mir oft die Frage gestellt, warum wir so versessen darauf sind, krank zu sein und davon zu berichten. Ausserdem hat es mich interessiert, warum viele andere, die auch einen Bandscheibenvorfall hatten, weiterhin solche Probleme damit haben, während ich eigentlich uneingeschränkt funktionsfähig bin.

Folgendes habe ich herausgefunden, was absolut förderlich ist, um mit wenig Aufwand schnell krank zu werden und auch langfristig zu bleiben:

1. Rede möglichst oft und sehr detailliert über deine Erkrankung!

Indem du diesen Tip befolgst, bekommt deine Erkrankung deine uneingeschränkte Aufmerksamkeit. Denn das, worauf du deinen Fokus lenkst, manifestiert sich und wird mehr. Das ist nicht an den Haaren herbei gezogen, sondern quantenphysikalisch bewiesen. Es funktioniert übrigens auch mit Erkrankungen, die du (noch) nicht hast. Gemäss der selbsterfüllenden Prophezeiung ist es nicht die Frage ob, sondern wann die Erkrankung eintritt. Schliesslich kommt der Spruch „Pass auf was du denkst, es könnte in Erfüllung gehen“ nicht von ungefähr. Solltest du diesen Ratschlag befolgen garantiere ich dir, dass du in absehbarer Zeit auf Partys gut mitreden kannst. 

2. Geh möglichst oft und bei jeder Kleinigkeit zum Arzt!

Zum einen treffen natürlich die Aussagen von 1 auch hier zu. Das Gesetz der Anziehung wirkt präzise und je mehr Energie du in eine Sache gibst, um so wahrscheinlicher ist deren Realisierung. Ausserdem trainierst du dein Gehirn. Indem du jeden Tag über die gleichen Dinge nachdenkst, stärkst du entsprechende Nervenleitbahnen und es geht dir irgendwann in Fleisch und Blut über. Wie beim Autofahren. Irgendwann läuft alles unbewusst ab. Dann brauchst du dir nicht mehr so viel Mühe beim Denken an deine Krankheit zu geben, das geht dann automatisch. Spart also auch Zeit und Energie. Du und deine Krankheit ihr werdet eins. Und wenn sich dann auch noch zwei um deine Erkrankung kümmern, bekommt das alles noch einen Turbo.

3. Nimm alle Medikamente die dir dein Arzt verschreibt ohne sie zu hinterfragen ein!

Er muss ja schliesslich wissen was er dir da gibt. Hat ja jahrelang studiert. Und ausserdem – dieser weisse Kittel steht ihm doch so gut und mit dem Dr. vorm Namen muss er auch ein absoluter Profi auf seinem Gebiet sein. Er hat zwar kaum noch Zeit für eine richtige Untersuchung, da die Vorgaben der Krankenkassen ihn dazu zwingen, möglichst schnell möglichst viele Patienten zu behandeln. Aber dadurch weiss er durch die grosse Anzahl an Patienten auch am besten, was du nehmen musst, damit die Symptome so schnell wie möglich wieder weg sind. Egal ob es Nebenwirkungen gibt. Dafür gibt es ja schliesslich wieder andere wirksame Medikamente. Und wenn die Symptome innerhalb einer bestimmten Zeit wieder auftauchen – ist doch auch Rille. Dann weiss er jetzt, was dagegen wirkt, hat ja beim ersten mal auch geklappt. Und die Pharmaindustrie selbst hat auch nur dein bestes im Sinn. Sie überprüft im Vorfeld alle Medikamente in evidenzbasierten wissenschaftlichen Studien auf ihre Wirksamkeit. Was natürlich in 10 – 20 Jahren durch die Einnahme der Medikamente sein könnte, darauf hat sie nun wirklich keinen Einfluss. In die Zukunft kann sie schliesslich nicht sehen.

4. Gib alle Verantwortung bezüglich deiner Krankheit in die Hände anderer

Selbst die Verantwortung für die Krankheit zu übernehmen kommt gar nicht in die Tüte. Wo kommen wir denn hin, wenn du selbst etwas unternehmen sollst um wieder gesund zu werden. Hast ja schliesslich noch andere Sachen zu tun. Ausserdem gibt es dafür Ärzte, die dafür bezahlt werden. Und es gibt Medikamente, die die Krankheitssymptome schnell unterbinden. Also, alles gut. So lässt es sich hervorragend leben. Krank – Arzt – Tablette – wieder gut. Alle Aussagen, dass hinter Erkrankungen eine symbolische Botschaft steckt, sollten von vornherein mit grösstem Zweifel und Widerspruch begegnet werden. Schliesslich liegt die Ursache für deine Erkrankung nicht bei dir selbst, sondern in äusseren Umständen. Bakterien oder Viren lauern überall und warten nur auf einen günstigen Moment, um über dich herzufallen. Zum Glück gibt es Impfungen. Da kann man den Biestern schön eins auswischen. An der Ernährung kannst du auch nichts verändern. Schliesslich hast du keinen Einfluss darauf, unter welchen Bedingungen Tiere gehalten werden. Das überlässt du u.a. dem Tierarzt, der die Tiere mit Antibiotika vollplumpt, damit diese ihre kurze Lebenszeit, in der sie möglichst schnell möglichst viel an Masse ansetzen sollen, auch lebend überstehen. Wie Obst und Gemüse angebaut werden, braucht dich auch nicht zu interessieren. Das diese mit Tonnen von Insektiziden und Pestiziden gespritzt werden um den Ertrag zu maximieren ist ja letztendlich die Entscheidung der Erzeuger. Hauptsache das ganze ist am Ende möglichst billig für dich. Und die Lebensmittelindustrie stellt schliesslich viele gesunde Nahrungsmittel her. Wird in der Werbung ganz klar so geäussert. Ein Beispiel von vielen wäre der absolut unschädliche Zuckeraustauschstoff Aspartam. Da haben die sich richtig was einfallen lassen, um den schädlichen Zuckerkonsum zu reduzieren. Inwieweit dieser wirklich so unschädlich ist, ja nun, Themawechsel…

5. Sieh die Schulmedizin als den absoluten Goldstandard an!

Wo wären wir nur bloss ohne diese medizinischen Fortschritte. Dafür brauchen wir uns nur anzusehen, wie es vor der wissenschaftlichen Übernahme der Medizin aussah. Da gab es kein Antibiotikum, was jetzt bei jeder kleinen Erkrankungen aus der Schublade geholt werden kann. Da sind die Menschen noch massenhaft an Seuchen gestorben. Das gibt es schliesslich jetzt nicht mehr. Nicht zuletzt auch wegen der Impfungen. Immer rein damit, schadet ja nicht. Oder das Allheilmittel Kortison, welches jede Erkrankung bis zur Unkenntlichkeit zurück drängt. Welch Segen. Dank der guten Schulmedizin! Und die Menschen werden nun auch immer älter. Haben zwar dafür nicht selten chronische Erkrankungen oder Krebs und benötigen massenweise Medikamente, um von einem Tag zum anderen zu kommen, aber egal. Länger leben ist länger leben, auch wenn die Lebensqualität miserabel ist. Ausserdem haben wir ein ausgeklügeltes Gesundheitssystem, welches die perfekte Versorgung des Patienten garantiert. Wenn der Allgemeinmediziner nicht weiter weiss, dann muss der Spezialist ran. Und weiss der nicht weiter, so gibt es doch noch einen anderen. Schliesslich müssen die alle wissen, was das beste für den Patienten ist. Viele Stunden bei den unterschiedlichsten Ärzten bedeutet nicht nur viel Geduld zu entwickeln, du kannst zudem viel Zeit für deine Krankheit aufbringen, womit Punkt 1 auch wieder erfüllt wird.

6. Nimm dich vor allen alternativen und natürlichen Heilmethoden in acht!

Diese Alternativmediziner sind ja schliesslich alle nicht dicht. Irgendwelche Globuli verschreiben in denen kein nachweisbarer Wirkstoff zu finden ist. Absolute Scharlatane. Und dann immer deren Ansichten, dass der Mensch alles in sich trägt um sich selbst zu heilen. Und alles immer als grosses Ganzes sehen. Das grenzt auch an Arbeit. Mit Pflanzen musst du auch vorsichtig sein. Die werden zwar schon seit hunderten von Jahren eingesetzt, aber da gab es mal einen Zwischenfall bei einer Handvoll Menschen, die eine bestimmte Pflanze nicht vertragen haben. Deshalb wurde sie als gefährlich für die Gesundheit eingestuft. War zwar eine sehr potente Heilpflanze, aber sicher ist sicher. Wir wollen schliesslich keine unerwünschten Wirkungen bei einer Therapie, die eigentlich sowieso nicht funktioniert. Und vor allem sind diese Methoden unrentabel. Stell dir mal vor, du nimmst nach einem stundenlangen Gespräch mit einem Arzt, in dem er dich als Ganzes betrachtet und nicht auf deine Beschwerden reduziert, nur eins von diesen dubiosen Globuli ein und es ginge dir besser. Oder du bekommst für deine Krebstherapie eine eigentlich verschreibungspflichtige Droge namens Hanf verschrieben. Damit lässt sich nichts verdienen. Die Pharmaindustrie würde pleite gehen. Schliesslich hat sie extra für diese Zwecke in aufwändigen Studien und unter grossem wissenschaftlich-technischem Einsatz Medikamente entwickelt. Das kostet alles Geld. Ausserdem solltest du bedenken, dass sich Schulmedizin und Naturheilkunde zusammen absolut nicht vertragen. Wenn dir durch eine Chemotherapie das komplette Immunsystem weggeblasen wird, solltest du auf gar keinen Fall irgendwelche alternativen Methoden anwenden, um wenigsten etwas Lebensqualität zurückzugewinnen. Die Schulmedizin hat dafür leider nicht wirklich was Wirksames parat. Halt-Stop. Natürlich hat sie. Medikamente die die Nebenwirkungen minimieren sollen. Also-alles gut. Am besten zeigt sich übrigens die Unwirksamkeit dieser Hokuspokusmedizin bei chronischen Erkrankungen. Wenn du jahrelang an einer Krankheit gelitten hast und in dieser Zeit die Schulmedizin keinen Erfolg zeigte und du daraufhin vielleicht jetzt zum Heilpraktiker gehen willst, sollte dessen Therapie bitte innerhalb von 24 Stunden anschlagen (okay, wollen wir mal nicht so sein. 3 Tage können wir ihm schon geben). Sollte sich in dieser Zeit keine signifikante Besserung eingestellt haben, beweist dies die absolute Unwirksamkeit der Therapie.

Wenn du all diese Tipps umsetzen kannst garantiere ich dir, dass du der Star auf sämtlichen Partys sein wirst. Du wirst viel berichten können. Dir wird viel Aufmerksamkeit und Mitleid zuteil werden. Du wirst immer und überall mitreden können.

Alle diejenigen, die hiermit nichts anfangen können bzw. meine Tipps ignorieren, werden schon sehen, was sie davon haben. Sie werden einen anderen Blick bezüglich Krankheiten entwickeln und sich auch Gedanken über deren Sinn machen. Sie werden darauf achten, welche Medikamente sie zu sich nehmen, auf ihre Ernährung achten und sich somit bewusst für ihre Gesundheit einsetzen. Ein Nebeneffekt wäre ein aktiver Tier- und Naturschutz. Klingt mega anstrengend. Ist es auch. Also solltest du dir im Vorfeld überlegen, was dir die Qualität DEINES Lebens wert ist und ob du all diese Strapazen auf dich nehmen möchtest. Ausserdem musst du damit rechnen, von vielen Menschen als merkwürdig und durchgeknallt angesehen zu werden. Aber glaub mir, wenn du alles andere überwunden hast, wird auch dies dir nur noch ein müdes Lächeln entlocken.

In diesem Sinne – Lebe lieber aussergewöhnlich

Deine Steffi

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