Raum zur Wandlung

Der Dezember – Zeit der Be-SINN-lichkeit

 

 

So, jetzt isser da – der Dezember. Der letzte Monat des Jahres. Ich komme nicht umhin festzustellen, dass es mein Lieblingsmonat ist. Hat vielleicht auch damit zu tun, dass ich ein Dezemberkind bin und mich sozusagen hier zuhause fühle. Ich liebe es einfach, wenn es draußen dunkel ist und kalt, überall die Lichter brennen und die Häuser geschmückt sind. Wenn es draußen ungemütlich ist und ich drinnen, schön in eine kuschlige Decke gehüllt, mit einer Tasse Tee in der mit Kerzenschein erhellten Stube sitze und gemütlich ein schönes Buch lese. Dazu Lebkuchen oder Weihnachtsplätzchen – was will man mehr…Dann überkommt es mich auch und ich höre klassische Musik oder gehe in ein Konzert in die Kirche. Im Idealfall liegt draußen auch etwas Schnee, der durch das Licht glitzert und unter den Füßen knirscht. Herrlich! Und nicht zu vergessen – Drei Haselnüsse für Aschenbrödel!

Was ich jetzt auf keinen Fall brauche, ist der ganze Hype der im Fernsehen veranstaltet wird und uns suggeriert, was wir alles brauchen für ein perfektes Weihnachtsfest und das wir auch ja genug an unsere Liebsten denken, indem wir ihnen massenweise irgendwelches teures Zeug kaufen. Da sehen wir perfekt aufgestylte, fröhliche Menschen, die in aller Ruhe shoppen gehen, ihr Weihnachtsessen zubereiten und in einer Harmonie, die ihres gleichen sucht, den Weihnachtsabend verbringen. Komisch, wenn ich einkaufen gehe, sehe ich nicht solche Menschen. Die meisten sehen einfach nur müde und ausgelaugt aus, und es ist ihnen anzusehen, dass das Jahr seine Spuren hinterlassen hat. Trotzdem hetzen sie umher, als sei der Leibhaftige hinter ihnen her. Es ist allgemein eine deutliche Anspannung zu spüren und der Menschenstrom in den Kaufhäusern nimmt stetig zu. Wo man vor kurzem noch in Ruhe einkaufen konnte, drängeln sich jetzt Massen von Menschen. Von Nächstenliebe, wovon jetzt auch viel gepredigt wird, ist kaum etwas zu spüren. Man bekommt zwar überall ein schönes Weihnachtsfest gewünscht, doch das klingt alles eher nach hohlen Phrasen. Eine unterschwellige Aggression ist vorhanden und viele machen sich einen dermaßen Stress, dass ich mich nicht wundere, weshalb es gerade in der Weihnachtszeit zu vielen Familienstreitigkeiten kommt.

Ein Wort fällt jetzt besonders auf – Besinnlichkeit. Auf vielen Weihnachtskarten wird eine besinnliche Weihnachten gewünscht und auch die Werbeslogan im Fernsehen geizen nicht damit. Doch was verstehen die eigentlich unter besinnlich oder besser gefragt, was verstehen WIR eigentlich darunter? In diesem Wort ist ein bestimmtes Wort enthalten – SINN. Besinnlichkeit heißt also, sich besinnen, sich des Sinnes/seiner Sinne bewusst werden. Die Frage nach dem Sinn, welches die größte Antriebskraft im Menschen darstellt, passt genau in diese Zeit. Schließlich haben wir erst kürzlich mit der Vergänglichkeit Bekanntschaft gemacht. Wir durften ohnmächtig mit ansehen, wie vieles um uns ein jähes Ende genommen hat. Die noch vor kurzem blühende und bunte Natur hat sich in eine kahle Landschaft verwandelt und uns verdeutlicht, dass Werden und Vergehen in der Natur der Sache enthalten sind. Eine große Wunde ist in uns entstanden, ein tiefsitzender Schmerz hat sich gezeigt, denen wir uns widmen dürfen, um sie zu heilen. Wir beginnen damit, sie zu beleuchten – indem wir alles um uns in Licht und Kerzenschein hüllen, als Symbol dafür, dass wir sie sehen, die Wunde und den Schmerz. Und – wir beginnen, uns mit dem Sinn hinter allem zu beschäftigen. Dazu bedarf es eines gewissen Grades an Ruhe, Rückzug und Introspektion. Und natürlich der Bereitschaft, die Bedeutung all dessen, was geschehen ist und geschieht, anzuerkennen. Nicht umsonst fällt diese Zeit auch an den Schluß des Jahres. Wir bekommen die Möglichkeit, ein Resümee über das vergangene Jahr zu ziehen, uns alles noch einmal mit etwas Abstand zu betrachten und den Sinn dahinter zu erkennen. Doch können wir ihn erkennen, wenn all unsere SINNE benebelt sind von einer Illusion, die uns vorgespielt wird? Müssen wir unseren Wert für einen anderen Menschen wirklich darin messen, was wir ihm schenken oder von ihm geschenkt bekommen? Müssen wir zwanghaft an Traditionen festhalten, die mittlerweile ein Ausmaß angenommen hat, welches mit dem Ursprung überhaupt nichts mehr zu tun hat? Denn auch das richtige Maß ist ein Kennzeichen dieser Zeit. Wo und wann können wir uns des überwältigenden Überflusses mehr bewusst werden als in der Weihnachtszeit? Interessant dabei ist zu sehen, dass im Dezember sowohl der Schütze (Fülle) als auch der Steinbock (Einschränkung) zu finden sind. Erst geben wir uns der Völlerei hin, um dann reumütig Bilanz zu ziehen und uns zu schwören, nie wieder etwas Essbares anzufassen…

Viele von uns haben ein turbulentes Jahr hinter sich, welches sich manchmal wie im Schleudergang in der Waschmaschine angefühlt hat. Ich selbst gehe oft viele Ereignisse durch, die ich in diesem Jahr erlebt habe und stelle mit einem gewissen Abstand dazu fest, dass sie alle in irgendeiner Weise notwenig waren, um an den jetzigen Punkt zu gelangen. Ich wäre jetzt nicht der Mensch mit diesen Erfahrungen, wenn ich nicht so gehandelt hätte, wie ich es tat. Eigentlich einleuchtend. Doch in dem Moment, in dem die Sache akut war, konnte ich keine Muße aufbringen, den Sinn dahinter erkennen  zu wollen. Zu groß war die Konfrontation mit der Thematik, die damit verbundenen Schmerzen und verletzend die Reaktionen der Umgebung. Jetzt nehme ich mir die Zeit zurückzublicken, die Dinge anzuschauen, den Sinn dahinter zu erkennen und zu vergeben, besonders mir selbst.

Wenn ich einen Wunsch frei hätte, wäre es der, dass sich wieder viel mehr Menschen beSINNen, was eigentlich wirklich wichtig ist in ihrem Leben. Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt dafür. Auch dafür, dem Weihnachtsfest wieder eine andere Qualität zu verleihen. Für uns wird es bedeuten, dass wir das letzte mal einen Weihnachtsbaum kaufen werden. Einen mit Wurzeln. Er wird in diesem Jahr in unserem Wohnzimmer stehen, um dann im Garten seinen Platz zu finden. Dort werden wir ihn in den folgenden Jahren schmücken, und er wird sein Licht in unser Wohnzimmer werfen. Denn auch dies bedeutet für mich Weihnachten – Achtung vor dem Leben. Dieses unSINNige, überdimensionierte Schlagen von Weihnachtsbäumen, die nie alle gekauft werden und nach den Feiertagen entsorgt werden ist für mich ein weiteres Zeichen einer Gesellschaft, die sich keinerlei Gedanken macht, welche Auswirkungen ihr Lebensstandard hat. Die Ansprüche, die dabei an einen Weihnachtsbaum gestellt werden, lassen mich nur sprachlos zurück und sind doch so bezeichnend. (Ja ich habe mir wirklich mal die Mühe gemacht und Menschen beim Weihnachtsbaumkauf beobachtet – erschreckend, einfach nur erschreckend)

Gönnen wir uns stattdessen lieber einige ruhige Stunden, in denen wir in uns gehen. Werfen wir einen Blick auf das Jahr, welches langsam zur Neige geht, und versuchen wir lieber, einige Dinge noch zum Abschluss zu bringen, damit wir sie nicht in das neue Jahr mitnehmen. Gehen wir unter die Menschen und nehmen sie einfach wahr, wie sie sich in dieser beeindruckenden Zeit verhalten und wie viele von ihnen durch die Welt hetzen, ohne auch nur eine kleine Notiz davon zu nehmen, was um sie herum geschieht. Und schenken wir uns gegenseitig einfach mal einen Blick und ein Lächeln, egal ob wir uns kennen oder nicht. Denn genau das ist, in diesem ganzen Überfluss um uns herum, zur absoluten Mangelware geworden.

 

In diesem Sinne – Lebe lieber Außergewöhnlich!

Deine Steffi

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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