Raum der Materie

Hilfe, die Grippewelle kommt…

 

Jetzt ist es wieder so weit. Die Grippewelle rollt auf uns zu. Viele Zeitschriften warnen davor, dass man sich jetzt wieder leicht mit Grippeviren anstecken kann. Am besten noch schnell die Grippeschutzimpfung abholen und die Hausapotheke mit allen zur Verfügung stehenden Grippemitteln auffüllen – so der Rat vieler dort zitierter Ärzte.

Komme ich zum Arzt, erwartet mich auch hier im Wartezimmer als erstes ein großes Poster, welches vor der Grippe warnt. Am besten gleich und sofort die Impfung – auch hier der Rat. Mich wundert, wie gelassen die Damen am Empfang reagieren, trotz der hustenden und keuchenden Menschen, die langsam vermehrt in die Praxis strömen. Sie müßten doch voller Panik sein, kommen sie doch permanent mit den Erregern in Kontakt. Doch ich vergaß – sie sind ja sicherlich geimpft.

Ich komme rein zum Arzt, weil ich eine Verletzung habe. Sie wird versorgt, und ich will gehen. Auf dem Weg zur Tür noch die Frage: „Sind sie schon gegen Grippe geimpft?“ Ich schüttle den Kopf und lehne das weitere Angebot dankend ab.

Auf dem Heimweg komme ich an einer Apotheke vorbei. Dort hängen große Plakate, welche für die verschiedensten Grippemittel werben. Grippostad oder Wick MediNait, um nur zwei Beispiele zu nennen. (Mit den beiden werden wir uns später noch einmal beschäftigen). Sollte ich mir doch Gedanken machen? Ich suche in meinem ganzen Körper nach Hinweisen, ob dieses Thema irgendwas mit mir macht. Bis auf die Tatsache, dass die Pharmaindustrie damit wohl wieder ihren Geldbeutel aufbessern will, komme ich nicht in Resonanz damit.

Zu Hause angekommen, bin ich doch neugierig. Ich nehme mir mal die beiden Grippemittel näher unter die Lupe. Auf der Seite für Grippostad kann ich doch tatsächlich einen Test machen, welcher Erkältungstyp ich bin. Da ich in den letzten Jahren eh kaum eine hatte (und der Rest der Familie auch nicht), denke ich schon, dass Ergebnis wird lauten, dass ich ein gutes Immunsystem habe und zu beneiden bin. Doch nein. Ich bin ein „Verharmloser“. Ich sehe also die Bedrohung einer Erkältung nicht und nehme sie zu leicht auf die Schulter. Und ich werde schon sehen, was ich davon habe und sie mich am Wochenende überrascht und ich mich nicht mit den entsprechenden Mitteln eingedeckt habe. Neugierig bin ich noch auf die anderen drei Erkältungstypen: der „Vorbeuger“, der „Allwissende“ und der „Paniker“. Die scheinen ihre Sache wohl ernster zu nehmen. Dumm gelaufen für mich, würde ich sagen.

Doch ich wäre nicht ich, wenn ich mir die ganze Sache nicht noch weiter ansehen würde. Also muss als nächstes die Zutatenliste her. Bin mal gespannt, mit welchen Wundermitteln ich es hier zu tun habe, die den Menschen von ihren schlimmen Grippeviren befreien.

Also. Wir finden in Grippostat Chlorphenaminhydrogenmaleat, Koffein, Paracetamol und Ascorbinsäure. Was sagt uns das? Vielen bestimmt nichts, denn sie fragen nicht weiter nach, wofür die einzelnen Bestandteile sind. Hauptsache es wirkt. Dann möchte ich es euch übersetzen. Wir haben es hier mit einer Mischung aus einem Antihistaminikum, einem stimulierenden Mittel, einem schmerzlindernden und fiebersenkenden Mittel sowie Vitamin C zur Abwehrsteigerung zu tun. Anders ausgedrückt: unsere Schleimhäute schwellen ab, damit wir besser Luft bekommen, das Fieber, welches normalerweise die Erreger auf natürliche Weise in Schach hält wird runtergedrückt, die Schmerzen, die wir haben, damit wir uns einfach mal etwas zurück nehmen, werden uns auch genommen, damit wir mit Hilfe des Stimulans Koffein auch weiterhin voll einsatzfähig bleiben. Jo.

Na dann schauen wir uns mal die andere Möglichkeit an. Wick MediNait (für die Nacht) und Wick DayMed (für den Tag). Wick MediNait („Der bewährte Erkältungssirup, der ihre Beschwerden im Schlaf bekämpft“) beinhaltet, neben jeder Menge Alkohol, bei der die Leber laut HURRA schreit, noch Dextrometorphan, Paracetamol, Ephedrin und Doxylamin. Keine Ahnung wofür das ist? Kein Problem, hier die Auflösung. Hier treffen sich ein Hustenblocker gegen Reizhusten bei unproduktivem Husten (Ich hoffe doch sehr er ist wirklich unproduktiv, ansonsten hat der Anwender ein Problem!) auf ein schmerz- und fiebersenkendes Mittel (hatten wir ja schon), zusätzlich noch ein Mittel zur Abschwellung der Nasenschleimhaut (laut Herstellerangaben), dass nebenbei auch zu den Amphetaminen gehört, also eine anregende Wirkung hat. Komplett macht das Quartett ein sedierendes Antihistaminikum (zur Minderung des Naselaufens, laut Hersteller) welches zufälligerweise den Schlaf fördert. Wir haben es also mit einem Mittel zu tun, welches sämtliche Möglichkeiten unterbindet, sich von seinen Keimen von allein zu befreien und seine Selbstheilungskräfte wirken zu lassen. Wir können sagen, wir schlafen uns durch Symptomunterdrückung im wahrsten Sinne des Wortes in den nächsten Tag.

Wick DayMed sollte jede Mutter im Schrank haben. Zeigt uns auf jeden Fall die Werbung sehr eindrücklich. Denn hey, krank zu sein und sich nicht zu fühlen ist doch lange kein Grund, sich mal ne Auszeit zu gönnen! Wo kommen wir denn da hin? Also, was erwartet uns denn hier feines. Paracetamol (ach wie schön – und willst du schmerzfrei sein, so zieh es dir herein…), Phenylpropanolamin (wieder ein Amphetaminderivat) um wieder Bäume ausreißen zu können und Dextrometorphan gegen den Hustenreiz.

Wir können also zusammenfassen: am besten behandelt man eine Grippe damit, sämtliche eigenen Abwehrleistungen zu unterbinden, die Schmerzen, die uns zur Ruhe zwingen würden, zu beseitigen, uns Aufputschmittel reinzuziehen und last but not least die Virusausscheidung aus dem Körper über den Schnupfen oder den Husten durch radikale Symtomunterdrückung zu verhindern. Das braucht doch schließlich kein Mensch. Keine Ahnung warum solche Körperreaktionen überhaupt erfunden wurden.

Ach ja, ich vergaß ja voll die Grippeschutzimpfung. Unbedingt machen. Die Unwirksamkeit ist zwar durch viele Studien mittlerweile bewiesen, aber wenn es empfohlen wird, dann lieber rein damit.

 

All das Erwähnte entspricht unserem wissenschaftlichen Zeitalter, indem alles untersucht, eingeordnet, zugeordnet und verallgemeinert wird. Alles muss bestimmten Standards entsprechen und reproduzierbar sein. Krankheiten stellen regelwidrige Körper- und Geisteszustände dar, als wären wir Menschen Maschinen, die man in die Werkstatt bringt wenn sie nicht mehr so funktionieren wie gewünscht, etwas ölt und dann laufen sie wieder. Dabei ist Krankheit der Gegenpol zur Gesundheit und somit mit dieser untrennbar verbunden. Ohne krank gewesen zu sein, wüßten wir nicht wie es ist, gesund zu sein. Und die Gesundheit trägt die Krankheit immer in sich, genauso wie die Krankheit die Gesundheit.

Wollen wir wirklich tiefgreifende Veränderungen, müssen wir auch dieses Thema mit einbeziehen. Denn gerade hier eröffnen sich viele Erkenntnisse über uns selbst, denn jede Erkrankung ist ein Zeichen, wo es gerade nicht stimmig ist. So können wir Erkältungen im Außen mit oben genannten Mitteln bekämpfen. Doch wenn wir erkennen, dass sie nicht von außen, sondern in unserem Inneren entstehen, haben wir größere Möglichkeiten, diesen Prozess für unser eigenes Wachstum zu nutzen.

Der erste Schritt wäre schon einmal getan, wenn wir den Körper in dieser Situation unterstützen. Durch viel Ruhe (nach der er regelrecht schmerzhaft verlangt), gesunder Ernährung und Mitteln, die seine Selbstheilungskräfte unterstützen und ihn anregen, von innen heraus zu gesunden. Und wir können schauen, wodurch unser inneres Feuer erkaltet ist (Erkältung), dass wir uns durch etwas anderes erregen (virale Erreger) lassen müssen um es wieder zum lodern (Fieber) zu bringen. Wovon wir die Nase voll haben, was wir nicht mehr schlucken und wem wir gern etwas husten wollen. Dann brauchen wir uns auch nicht mehr hinter benutzten Taschentüchern verbarrikadieren und mit entsprechend vorgehaltenen Händen andere daran hindern sich uns zu nähern, da wir ja erkältet sind, sondern uns gezielt zurückziehen. Jede Krankheit schreit nach Beachtung, die wir ihr in richtiger Form auch zukommen lassen sollten. Nicht, indem wir sie als unwillkommene Qual betrachten, sondern als Hinweis der Seele, dass ihr etwas fehlt.

 

In diesem Sinne – Lebe lieber Außergewöhnlich!

Deine Steffi

 

2 thoughts on “Hilfe, die Grippewelle kommt…

  1. Hallo Steffi,
    Paracetamol als Inhaltsstoff dieser „Grippemittel“ hat auch viele Nebenwirkungen. Eine ganz besondere Nebenwirkung ist die Tatsache, das uns das Mittel emotional abstumpft.
    Quellen:
    https://psylex.de/psychologie-lexikon/kognitiv/empathie2.html#22
    https://www.merkur.de/leben/gesundheit/paracetamol-macht-schmerzmittel-menschen-gefuehllos-zr-6410705.html

    Und viele Personen futtern das Zeug wie Smarties…
    Vielleicht ist das auch ein Mitgrund für den momentanen Zustand unserer Gesellschaft.

    Ich freue mich schon riesig auf deine nächsten Artikel.

    Liebe Grüße
    Uwe Schwabe

    1. Hallo Uwe,
      sehr interessante Artikel :-), danke! Auf die Nebenwirkungen wollte ich gar nicht erst eingehen, dann wäre der Artikel nochmal so lang geworden. Nicht nur die Pharmaindustrie hat ein Bestreben, Menschen in eine Art Trancezustand zu versetzen. Die Lebensmittelindustrie ist nicht wirklich besser, von den Medien mal ganz zu schweigen. Für uns ist absolut entscheidend, ob wir diesen Wahnsinn mitmachen und noch wichtiger, was wir beitragen können, damit sich etwas ändert. Mit Aufklärung und Sensibilisierung wäre schon mal der Anfang gemacht.

      Liebe Grüße
      Steffi

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