Raum zur Wandlung

Wenn uns zufällt was fällig ist

Manchmal gibt es Situationen im Leben, da frage ich mich schon, in welchem Film ich denn da gelandet bin. Dann fühle ich mich wie der Beobachter einer von mir selbst gespielten Szene und kann mir deutlich die Menschen vor dem Bildschirm vorstellen, wie sie gebannt darauf warten, wie es wohl gleich weiter gehen wird. Und dann frage ich mich, wer zum Teufel denn das Drehbuch für diesen Streifen geschrieben hat. Und wo denn die versteckte Kamera lauert. Da treffen Dinge aufeinander, die allein genommen schon kurios sind, aber im weiteren zeitlichen Verlauf doch eindeutig sämtliches Maß an logischem Menschenverstand vermissen lassen. Diese Aufeinanderfolge oder auch nur das alleinige Auftreten plötzlicher unerklärbarer Zustände nennen wir gemeinhin „Zufall“. Treten manche Dinge immer wieder auf, handelt es sich um „Synchronizitäten“. Dann kann man sich schon leicht vorkommen wie in „Final Destination“ (nur eben nicht gleich mit tödlichem Ausgang).

Würden wir uns die Szenenabfolge in einem Kinofilm betrachten, würden wir manchmal die Hände über dem Kopf zusammen schlagen, denn für uns ist nur zu deutlich, in welches Dilemma sich der Protagonist durch seine Handlungen stürzt. So fragen wir uns oft, warum er denn so handelt wie er handelt und ob er nicht sieht, in welche Schwierigkeiten er sich da bringt. Oder warum er bestimmte Situationen nicht beim Schopf ergreift, würden sie ihm doch endlich seine sehnlichsten Wünsche erfüllen. Wie diesen Filmhelden geht es uns jeden Tag. Wir stehen vor Herausforderungen, Situationen, Entscheidungen und müssen eine Wahl treffen. Nur sind wir mittendrin auf dem Schlachtfeld, können uns keinen Überblick verschaffen oder besitzen keine diversen Hintergrundinformationen wie die Zuschauer. Wir können uns auch nicht entspannt zurücklehnen, Popcorn naschen und Cola trinken und den Streifen genießen. Stattdessen müssen wir das, was da so scheinbar zufällig auf uns einwirkt, verarbeiten und als Grundlage für unser weiteres Handeln verstehen und nutzen.

„Der Zufall ist die in Schleier gehüllte Notwendigkeit“

Marie von Ebner-Eschenbach

Doch wenn ich eines in meinem Leben feststellen durfte, dann folgendes: Es gibt keinen Zufall. Also habe ich kurzerhand beschlossen, dieses Wort aus meinem Wortschatz zu streichen. Denn alles was uns widerfährt, hat einen Sinn und dient einem Zweck, den wir auf den ersten Blick nicht erkennen. Wenn Dinge plötzlich und unerwartet geschehen, sich ständig wiederholen oder einen scheinbar wenig zu beeinflussenden Verlauf nehmen, verbuchen wir es unter Zufall. Ganz zufällig treffen wir einen alten Bekannten, ganz zufällig hören wir ein bestimmtes Lied, ganz zufällig fällt mir genau in dem Moment etwas herunter, wenn ich es am wenigsten möchte. Ganz zufällig habe ich mich innerhalb von zwei Tagen auf der rechten Seite geschnitten. Diese Beispiele könnte ich unendlich fortsetzen. Doch dem ist nicht so. Nichts erfolgt scheinbar zufällig. Es scheint, als würde in diesen Momenten etwas die Regie übernehmen, dessen Weisheit und Weitsicht unser Vorstellungsvermögen bei weitem überschreitet. Es existieren unsichtbare Fäden, die gesponnen werden, und uns mit Menschen und Situationen in Verbindung bringen, die wir dringend für unsere Entwicklung benötigen, deren Zusammenhänge wir aber nicht im entferntesten überblicken können.

In der nordischen Mythologie gibt es die drei Nornen oder Schicksalsfrauen. Sie heißen Urd (Schicksal, verkörpert die Vergangenheit), Verdandi (das Werdende, verkörpert die Gegenwart) und Skuld (Schuld, das, was sein soll). In der griechischen Mythologie werden sie als Moira und in der römischen als Parzen bezeichnet. Die erste spinnt den Schicksalsfaden, die Zweite bemisst seine Länge und die Dritte schneidet ihn ab. Im übertragenen Sinn soll es bedeuten: Du kannst deinem Schicksal nicht entkommen, es ist für dich zugeschnitten.

Es gibt keine zufälligen Treffen. Jeder Mensch in unserem Leben ist entweder ein Test, eine Strafe oder ein Geschenk des Schicksals.

Alles in unserem Leben ist also schicksalhaft vorherbestimmt – wie wir beginnen und wie/wo wir enden. Dazwischen treffen wir scheinbar zufällig auf Menschen und Situationen. An dieser Stelle möchte ich bemerken, dass wir nicht einfach aus Jux und Tollerei auf dieser Welt sind. Jeder Mensch bringt seine ganz persönliche Aufgabe mit, die er hier erfüllen darf. Und um dieses leisten zu können, besitzt jeder Mensch auch seine ganz eigene energetische Signatur, die ihn mit bestimmten Fähigkeiten ausstattet. Das Problem ist: wir wissen oft nicht, worin unsere Aufgabe besteht. Und viele Menschen wollen es auch gar nicht wissen, sondern sind mit dem zufrieden, was ihnen täglich so passiert bzw. sind dermaßen in der materiellen Welt gefangen, dass sie die Verbindung zu ihrem Herzen und ihrer Seele verloren haben.

Hier kommt nun der „Zufall“ ins Spiel. Zufälle sind Fingerzeige in die Richtung, in die wir uns entwickeln sollen. Nun können wir zu allem, was uns zufällt, die Augen verschließen und sagen, dass habe jetzt nichts mit uns zu tun und gehöre nicht zu unserem Leben. Oder wir können uns fragen, warum das Geschehene oder die Person an uns herantritt und was wir daraus lernen können.

Wenn es uns schließlich dämmert, worauf das ganze hinausläuft, stehen wir dann in unserem Film und es fällt uns wie Schuppen von den Augen. Das ist dann der Moment, wo der Held im Film endlich seine wahre Bestimmung findet, seine Sehnsucht stillen kann, den Stein der Weisen findet oder einfach nur endlich seine Angebetete vor den Traualtar führen kann.

Also: das nächste mal, wenn der Zufall wieder an deine Tür klopft, schau mal, was er so im Gepäck für dich mitführt und heiße ihn willkommen.

In diesem Sinne – Lebe lieber außergewöhnlich

Deine Steffi

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