Raum zur Wandlung

Zeitdiebe und wie du ihnen auf die Schliche kommst

 

Wenn du dir ein paar Minuten Zeit nimmst und meinen Blogartikel liest wirst du erfahren, wie

  • du deine Zeit effektiver nutzen kannst
  • du zeitraubende Aktivitäten erkennst und diese abstellen kannst
  • du eine ausgewogene Work-Life-Balance entwickeln kannst
  • du lernst, Nein zu sagen, um mehr Zeit für dich zu haben

…..

 

Ehrlich jetzt? Ernsthaft? Hast du wirklich geglaubt, ich würde dir etwas darüber erzählen, wie du deine Zeit am sinnvollsten ausfüllen kannst?

Pustekuchen…

Mal ehrlich – willst du wirklich dein Leben noch effektiver gestalten? Jede freie Minute verplanen? Von einem Termin oder einer Verabredung zum/zur nächsten wetzen? Glaubst du immer noch an dieses Work-Life-Balance-Dingens, was in aller Munde ist? Wie du schnell deine Arbeit hinter dich bringst um (endlich) leben zu können? Sicherlich ist das lernen von Nein zu sagen sehr wichtig, doch was machst du mit deiner gewonnenen Zeit?

Zeit! Sie bestimmt unser Leben. Alles innerhalb unserer Gesellschaft basiert darauf. Alle Lebensabläufe sind zeitlich getaktet. War der ursprüngliche Gedanke einer einheitlichen Zeit noch nachvollziehbar und sinnvoll (es begann alles mit dem Reisen mit der Eisenbahn), so wurde sie durch den Kapitalismus missbraucht, um die Produktivität und den Umsatz zu steigern und hat bis zum heutigen Tag ein Ausmaß angenommen, wo wir, bei genauer Betrachtung, nur noch mit dem Kopf schütteln können.  Das beginnt schon mit dem morgendlichen Weckerklingeln, dem pünktlichen auf Arbeit sein, dort unsere 8 Stunden abzuleisten um nach der Arbeit die Haus- und Gartenarbeit zu erledigen, die Kinder zu versorgen damit wir pünktlich um acht vor der Glotze hängen, die Nachrichten anschauen und danach den 20.15 Uhr Film. Dann gehts ins Bett und am nächsten Tag beginnt der Spass von vorn. Der Freitag ist in Sicht, Yippie, jetzt ist Zeit für Party. Jeden Abend wo anders präsent, denn jetzt gilt es, das verlorene Leben der Woche nachzuholen. Also am Freitag um 19 Uhr ins Kino, dann um 22 Uhr in die Disko und am Samstag ab um 8 zur Feier bei Freunden. Am Sonntag gehen wir zeitig ins Bett, denn am nächsten Morgen klingelt wieder pünktlich um 6 der Wecker.

Fürs Shoppen haben wir auch keine Zeit. Das erledigen wir abends auf der Couch im Internet. Mal eben schnell bei Amazon ein neues Buch bestellen. Doch halt. Hier öffnet sich eine Seite mit ganz tollen Schuhen. Woher haben die gewusst, dass ich eigentlich welche brauche? Was solls, dann eben da auch nochmal schnell vorbeigeschaut und im Nu sind 2-3 Stunden rum, wo ich doch eigentlich sooo wenig Zeit habe.  Ältere Generationen schütteln über die sogenannte Generationen X, Y und Z nur den Kopf. Hegen diese doch die Auffassung, dass Leben ist nicht nur zum Arbeiten da und wünschen sich eine entsprechende Work-Life-Balance. Auf den ersten Blick eine revolutionäre Entwicklung und auch längst überfällig. Doch schauen wir dahinter fragen wir uns, was diese jungen Erwachsenen mit ihrer gewonnenen Freizeit anfangen? Ich wage die Vermutung (genau kann ich es nicht sagen), dass sich die jüngere Generation vermehrt im Internet aufhält, sich hier Informationen holt, Social media nutzt und eben auch die Wirtschaft unterstützt. Nicht nur durch den Kauf von Produkten, sondern auch durch die kostenlose Arbeit, die sie dadurch leistet. Denn irgendwie muss ja die reale Arbeit, die nicht mehr erledigt werden möchte (da man ja Work-Life-Balance anstrebt), trotzdem getan werden und wird somit indirekt an den Konsumenten übertragen. Unsere Zeit, die wir aufwenden im Internet auf Shoppingtour zu gehen, bedeutet also für den Anbieter bares Geld. Und für uns? Das gute Gefühl, gespart zu haben ohne großen Aufwand. Außer mit etwas Zeiteinsatz!

Es ist erstaunlich in wie vielen Bereichen wir mit unserer Zeit bezahlen. Eins dürfte uns dabei klar werden. Unsere Zeit bedeutet Geld. Vielleicht auch für uns, doch mehr für andere. Wir unterstützen ein System, dass uns weis machen will, wir könnten alles im Handumdrehen mal eben schnell nebenbei erledigen und auch haben. Wir können z.B.online Reisen buchen. Doch eh wir dahin kommen, verbringen wir Stunden wenn nicht gar Tage damit das passende zu finden. Immer mit dem Argument, es möglichst billig zu bekommen, vergleichen wir Preise und Angebote. Den Anbieter freut es. Hat er doch selbst auf vielen Ebenen gewonnen. Er braucht z.B. weniger Angestellte, denn deren Arbeit übernehmen ja wir. Und mit Sicherheit bekommen andere Anbieter über ihn unsere Daten und er von diesen Geld.

Doch nicht nur im Internet, sondern auch in der realen Welt bezahlen wir mit unserer Zeit und unserem Einsatz. In einigen Märkten kann man selbst seinen Einkauf abrechnen und bezahlen. Auch Mc Donald bietet die Terminals an, an denen wir unser Essen direkt aussuchen und bestellen können. Es wird uns suggeriert, dass dies der Gang mit der Zeit wäre. Immer modern dabei und am Puls der Zeit. Haben wir das System raus, mag es ja schnell gehen. Doch zu Beginn müssen wir uns mit dem Ablauf und der Programmstruktur vertraut machen und das kostet Zeit. Nebenbei wird an der menschlichen Arbeitskraft gespart, sie ist jetzt überflüssig geworden.

Wir verbinden Zeit mit einem Nutzen. Sich hinsetzen und nichts tun kann den einen oder anderen in totalen Stress versetzen, gilt es doch als vergeudete Zeit. Manche Menschen werden regelrecht hysterisch, wenn sie nicht wissen, wie spät es ist. Denn in dieser Zeit, also eigentlich außerhalb der Zeit, gibt es nur noch sie und ihre Umwelt. Die meisten Menschen definieren sich über das, was sie tun und nicht über das, was sie nicht tun. Und die wenigsten Menschen nehmen sich die Zeit, sich selbst zu begegnen. Das eben gesagte gilt nicht nur für die Zeit, sondern auch für die Stille. Wer gern mal ein Experiment wagen möchte, der sollte sich John Cage mit seinem Werk 4:33 anhören.

Auch wenn uns Work-Life-Balance suggeriert, dass wir bewusster mit unserer Zeit umgehen, ist dieses Konzept eine geniale Strategie, uns auf eine andere Art und Weise zeitlich zu binden. Wir koppeln Arbeit vom Leben ab und versuchen das dann in eine Balance zu bringen? Hä? Vielleicht handelt es sich auf den ersten Blick um eine unglückliche Wortwahl. Doch trifft es irgendwie absolut den Zeitgeist. Arbeit als etwas zu betrachten, was ein notwendiges Übel darstellt um darüber die Mittel zu erwirtschaften, das bisschen freie Lebenszeit, die danach noch übrig bleibt, zu geniessen. Wir kämpfen also gegen das eine und für das andere. Dies machen sich viele Coaches, Trainer, aber auch Yoga- und Meditationslehrer zu nutze um uns zu zeigen, wie wertvoll unsere Zeit ist und wie wir sie sinnvoll nutzen können.

 

Fassen wir zusammen:

Zeitdiebe halten uns von unserem Leben ab. Sie binden uns als kostenlose Arbeitskräfte ein und sind hauptsächlich auf monetäre Vorteile bedacht. Diese Vorgehensweise ist nicht offensichtlich und für sie sehr lukrativ. Sie nutzen Werte wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Sicherheit, Unabhängigkeit und Freiheit, um sich in unserem Leben einzunisten.

Zeitdiebe sind abhängig von unseren Glaubenssätzen, Werten und Einstellungen.

Zeitdiebe unterscheiden zwischen Arbeits- und Freizeit, wobei sie erstere negativ und zweite positiv aufladen. Somit halten sie eine gewisse Spannung aufrecht, damit wir für unsere seltene und wertvolle Freizeit entsprechend bereit sind zu zahlen.

 

Um ihnen auf die Schliche zu kommen, kannst du dich fragen, in welche Kategorien du deine Zeit einteilst, welche Wichtung du diesen gibst und was du bereit bist, dafür zu tun.

Du kannst auch einmal dein Internetverhalten überprüfen. Wieviel Zeit du dafür in Anspruch nimmst, wie schnell du ganz wo anders landest als ursprünglich gewollt und zu welchen Mitteln gegriffen wird, dich auf bestimmte Seiten zu locken.

Schau mal, wieviel Zeit dich Anmeldungen, Erledigungen und dergleichen im Internet kosten. Die scheinbar einfachsten Dinge können nicht nur Zeit sondern auch jede Menge Geduld erfordern.

In welchen Bereichen wirst du dazu aufgefordert, es doch ruhig selbst zu machen (Beispiel Mc Donalds). Führt das tatsächlich zu einer Vereinfachung des Bestellablaufes? Was machen die Mitarbeiter stattdessen oder gibt es sie überhaupt noch?

Welche Glaubenssätze oder Einstellungen hast du zum Begriff Zeit und wie bestimmen sie dein Leben?

Wie würdest du dir eine Welt vorstellen, in der es keine Zeit gäbe oder wo Zeit nur auf bestimmte Lebensbereiche Anwendung fände?

Hast du dir eigentlich schon mal Gedanken darüber gemacht, dass du für Geld mit deiner Zeit bezahlst? Wie wertvoll wäre dann deine Zeit?

 

In diesem Sinne – Lebe lieber Außergewöhnlich

Deine Steffi

 

„Zeit ist Geld“- diesen Beitrag von Arte, den du über YouTube sehen kannst, zeigt sehr eindrücklich das Ausmaß unserer Zeitgesellschaft. Ich kann ihn dir hiermit nur wärmstens empfehlen.

Außerdem den Klassiker „Momo“ von Michael Ende. Die Erstausgabe erschien 1973, doch der Inhalt ist nach wie vor aktuell.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.