Raum zur Wandlung

Zerreißen hat seine Zeit, Zunähen hat seine Zeit

 

 

Wenn wir uns unsere Zukunft vorstellen, dann sehen wir uns am liebsten glücklich und zufrieden. Unser Leben scheint einem vorgegebenen Plan zu folgen, den wir zu unserer Geburt auf den Weg mitbekommen haben. Kindergarten, Schule, Ausbildung oder Studium, die erste Liebe, Berufsleben, Familienleben, Ruhestand und schließlich der Tod. Alles gleicht einer Geraden, einem Zeitstrahl. Es scheint, als gäbe es da nicht wirklich Raum für Umwege oder Berge und Täler. Nicht selten bekommen wir auch den Eindruck vermittelt, als würde das Leben nur dann erfolgreich sein, wenn es bergauf und uns gut geht. Doch das ist ein Irrtum. Gerade unsere scheinbaren Fehler und die vielen Veränderungen in unserem Leben beinhalten die größten Geschenke für uns.

Das Veränderungen im Leben nicht ohne kleinere oder größere Krisen, Verlust, Leid, Schmerzen, aber auch Glücksmomenten einhergehen, damit dürften viele von uns schon ihre Erfahrungen gemacht haben. Wir alle sind auch unterschiedlicher Auffassung darüber, was wir verändern wollen und was wir bereit sind dafür zu opfern oder aufzugeben. Denn eins ist sicher – in Veränderungsprozessen muss etwas Altes gehen damit etwas Neues kommen kann.

Veränderungen im großen Stil haben zur Folge, dass wir unsere Komfortzone aufgeben müssen. Doch dazu sind wir selten freiwillig bereit. Denn innerhalb dieser von uns selbst geschaffenen Grenzen fühlen wir uns sicher, wenn das Leben „da draußen“ es nicht gut mit uns zu meinen scheint.

In uns ist allerdings eine Stimme die ständig fragt, ob das eigentlich alles ist, was wir vom Leben erwarten dürfen. Wie es weitergehen soll, wie lange wir noch in den uns verhaßten Umständen ausharren wollen. Worin der Sinn des Lebens und unserer momentanen Lage besteht.

Letztendlich haben wir drei Alternativen mit den Herausforderungen des Lebens umzugehen.

 

Nummer 1: Abwarten

Wir belassen alles einfach so, wie es gerade ist. Alles nach dem Motto „Augen zu und durch“. Wir beißen die Zähne zusammen und ertragen die Zustände irgendwie in der Hoffnung, dass es sich schon irgendwann zum Besseren wenden wird. In diesem Zustand können wir Jahre, wenn nicht sogar unser ganzes Leben zubringen. Veränderungen werden als Bedrohung betrachtet. Oft scheinen wir in unserer Entscheidung, alles möglichst sicher über die Bühne zu bringen, auch bestätigt zu werden. Nämlich dann wenn wir sehen, wie andere mit ihren Plänen scheitern. Oder wenn wir selbst beim Versuch, den Fuß über eine unsichtbare Grenze hinweg außerhalb unserer Komfortzone zu setzen mit Dingen konfrontiert werden, die uns zu groß erscheinen und uns Angst machen. Dann nichts wie schnelle wieder zurück an den heimischen Herd. Auch wenn es uns hier nicht mehr gefällt, allmählich zu eng wird und auch schon muffig riecht scheint es hier allemal besser zu sein als da draußen, wo wir nichts unter Kontrolle haben und nicht wissen was auf uns zukommt. Und im Laufe unseres Lebens stellt sich Resignation ein, vielleicht auch Wut, weil wir nicht den Mut aufgebracht haben, etwas zu verändern. Wir geben uns auf und unser Leben verliert seinen Sinn. Das Bedauern darüber, irgendwann die Abfahrt versäumt zu haben, beschäftigt viele Menschen.

Nummer 2: Handeln

Wir gehen in die Handlung. Von nichts kommt schließlich nichts. Und vom rumsitzen können wir schließlich nicht erwarten, dass sich etwas bewegt, geschweige denn verändert. Manchen Menschen ist diese Sichtweise zu eigen, sie wollen nicht abwarten, sondern der Schöpfer ihres eigenen Lebens sein. Das ist per se nicht verkehrt. Denn mit dem Handeln übernehmen wir auch Verantwortung für uns und unsere Taten. Wir können unsere kreativen Ideen umsetzen und viel erschaffen. Schon Goethe hat in folgendem Sprichwort die Wichtigkeit des Handelns beschrieben: „Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden. Es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.“ Doch leider gehört zum Handeln nicht selten auch der Kampf. Wir können Unmengen an Energie aufwenden für Dinge, die wir nicht haben wollen oder die wir um jeden Preis anders haben wollen. Wir haben ein Bild im Kopf, wie alles sein sollte und verteidigen dieses Bild. Selbst wenn es sich als Illusion entpuppt können wir es oft nicht loslassen.

Nummer 3: Vertrauen

Dies ist von allen drei Möglichkeiten mit Abstand die schwierigste. Denn hier kommen wir mit unserem Verstand nicht weit. Es gilt nämlich Vertrauen in die Intelligenz des Lebens zu entwickeln, dass alles was kommt, zu unserem Besten ist. Mit Vertrauen dürfen wir den Dingen ihren eigenen Raum lassen sich zu entwickeln, ohne gegen sie anzukämpfen und letztendlich das Ergebnis annehmen, welches daraus entsteht. Ein Teil in uns weiß zu jeder Zeit ganz genau wohin es geht, worin der Sinn in allem, was uns widerfährt, besteht. Wir dürfen lernen loszulassen, die Kontrolle abzugeben und schauen was passiert. Wir müssen bereit sein, auf einer bestimmten Ebene zu sterben, um wie der Phönix wieder aus der Asche zu steigen.

 

In den meisten Fällen bevorzugen wir die ersten beiden Alternativen. Im Idealfall sammeln wir in der Abwartephase Informationen, Ideen und Kräfte, um diese in der Handlungsphase dann umzusetzen und das Ergebnis in der folgenden Abwartephase reifen zu lassen. Doch leider verharren viel zu viele Menschen entweder in der einen oder anderen Phase. So können weder Veränderungen im Leben erreicht werden, weil wir sie von vorn herein meiden, noch können unsere Handlungen auf einer beständigen Basis langfristige Erfolge hervorbringen, da die Energie unkonzentriert verpufft und nur zu noch mehr Kampf führt.

Mit Vertrauen in das Leben gehen können jedoch nur die wenigsten. Es setzt voraus, dass wir uns intensiv und bewusst mit den Gesetzmäßigkeiten beschäftigen, die unser aller Leben ausmachen. Außerdem müssen wir bereit sein Krisen, Leid, Krankheiten und Schmerzen bewusst zu ertragen um den ihnen innewohnenden Sinn zu erkennen. Allerdings sind gerade diese in der Lage uns bewusster werden zu lassen. Denn durch sie werden wir damit konfrontiert was wirklich wichtig ist im Leben und beginnen allmählich, dieses mit anderen Augen zu sehen.

Doch egal wie wir mit den Herausforderungen in unserem Leben umgehen – jeder von uns handelt zu jedem Zeitpunkt für sich persönlich genau so, wie es für ihn richtig ist. Wenn wir dies beherzigen nehmen wir nicht nur uns selbst sehr viel Stress, sondern können auch die Handlungsweisen anderer Menschen besser tolerieren.

Letztendlich hat alles seine Zeit. Es gibt Zeiten, in denen der Stoff unseres Lebens zerreißt und wieder andere, in denen wir diesen entstandenen Riss wieder zusammennähen müssen. Doch wir haben die Wahl welche Nadel, welchen Faden und welche Nähmethode wir anwenden möchten und ob das Motiv unseres Stoffes danach das gleiche ist wie vorher oder ob wir Veränderungen daran vornehmen möchten. Wir allein entscheiden – jeder für sich selbst.

 

In diesem Sinne – Lebe lieber Außergewöhnlich

Deine Steffi

..

Die Überschrift ist leider nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern dem Buch „Der Zahir“ von Paulo Coelho entnommen. Übrigens ein sehr zu empfehlendes Buch.

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.